Donnerstag, 24. Juli 2014

Tomatenketchup – geschüttelt, nicht gerührt

Som­mer­zeit — Grill­zeit! Und ge­ra­de hat man sich spon­tan ent­schlos­sen den Grill an­zu­wer­fen, da stellt man – oh Schreck! – fest, daß kein Ketch­up mehr im Kühl­schrank ist.
Ich hat­te ja schon ein­mal ein Re­zept auf­ge­schrie­ben, aber der Ketch­up mußte ge­kocht wer­den. Heißer Ketch­up ist al­ler­dings nicht je­der­manns Sa­che, so daß sich das Re­zept für die spon­ta­ne Zu­be­rei­tung nicht eig­net.
Trotz­dem dient das Re­zept wei­ter­hin als Grund­la­ge: Auf einen Teil pas­sier­te To­ma­ten kom­men zusätz­lich 25% Es­sig, 10% Zu­cker, 2,5% Salz und Kräuter und Gewürze nach Be­lie­ben.
Der Ketch­up muß auch in die­sem Fall et­was an­ge­dickt wer­den. Beim Kalt­anrühren kann aber kei­ne Stärke ver­wen­den wer­den, da die­se be­kannt­lich erst beim Auf­ko­chen bin­det. Aus die­sem Grun­de ha­be ich mich für Jo­han­nes­brot­kern­mehl ent­schie­den. Auf 100g pas­sier­te To­ma­ten kom­men 0,5g Jo­han­nis­brot­kern­mehl. An­de­re mo­der­ne Bin­de­mit­tel wie et­wa Xan­tan, Guar­kern­mehl oder ähn­li­ches düften aber auch funk­tio­nie­ren. Die da­von benötig­ten Men­gen kann ich lei­der an­ge­ben, da ich es selbst nicht aus­pro­biert ha­be.
In kon­kre­ten Zah­len sieht ein Re­zept für 550g ein­fa­chen To­ma­ten­ketch­up dann so aus.
  • 400g pas­sier­te To­ma­ten (= 1 Do­se)
  • 100g Tafeles­sig
  • 40g Zu­cker
  • 10g Salz
  • 2g Jo­han­nis­brot­kern­mehl
  • Gewürze, Kräuter
Die Zu­be­rei­tung ist denk­bar ein­fach: Das Jo­han­nis­brot­kern­mehl soll­te vor­her gut mit dem Salz und Zu­cker und al­len an­de­ren tro­ckenen Zuta­ten ver­mi­schen, da­mit sich später kei­ne Klum­pen bil­den. Dann schüttet man al­le Zuta­ten in ei­ne al­te, ge­rei­nig­te Ketchupfla­sche, schüttelt al­les kräftig und sehr gut durch und stellt es für gut 15 Mi­nu­ten in den Kühl­schrank, da das Jo­han­nis­brot­kern­mehl ei­ni­ge Zeit braucht, um zu Quel­len und zu bin­den. Da­nach noch­mals durchschütteln und fer­tig ist der Ketch­up. Soll­te der Ketch­up, was je nach Her­stel­ler und Kon­sis­tenz der To­ma­ten der Fall sein kann, zu flüssig sein, so kann man auch nachträglich noch et­was Jo­han­nis­brot­kern­mehl hin­zuschütte(l)n.
Zum Würzen kann man sei­ner Phan­ta­sie frei­en Lauf las­sen. Einen Eßlöffel Cur­ry hin­zu­ge­ge­ben er­gibt einen schönen Cur­ry­ketch­up; mit Chi­li­pul­ver erhält man einen schar­fen Ketch­up. Man kann auch fri­sche, fein ge­schnit­te­ne Kräuter wie Pe­ter­si­lie oder Ba­si­li­kum oder sons­ti­ges hin­zu­ge­ben.
Da der Ketch­up dies­mal nicht er­hitzt wird, ist die Halt­bar­keit natürlich nicht so hoch, wie bei er­hitz­tem und da­durch ste­ri­li­sier­tem Ketch­up. Es ist al­so rat­sam klei­ne Men­gen an­zurühren, die schnell ver­braucht wer­den!

Gu­ten Ap­pe­tit



Hinweise zu den Zutaten:
Das Jo­han­nis­brot­kern­mehl be­kommt man in der Apo­the­ke und zahlt dann auch Apo­the­ken­prei­se. Im In­ter­net ge­kauft ist es deut­lich preis­wer­ter. Aber selbst wenn man es in der Apo­the­ke kauft und für 125g z.B. rund 12,- Eu­ro be­zahlt, so soll­te man be­den­ken, daß man nur sehr we­nig benötigt. Ei­ne Pa­ckung mit 125g ist aus­rei­chend, um rund 34kg Ketch­up her­zu­stel­len.
Bei den pas­sier­ten To­ma­ten be­vor­zu­ge ich der­zeit je­ne der Fir­ma „Mut­ti“ aus der Glas­fla­sche. Die­se sind zwar deut­lich teu­rer als No-Na­me­pro­duk­te, doch sind sie durch ih­ren fruch­ti­gen Ge­schmack und die schöne Kon­sis­tenz ih­ren Preis wert. Preis­wert wird der Ketch­up dann natürlich nicht.

Mittwoch, 23. Juli 2014

Libori 1860 – Prozessionsordnung

Zum Li­bo­ri­fest vor 154 Jah­ren er­ließ Bi­schof Kon­rad Mar­tin ei­ne neue Pro­zes­si­ons­ord­nung.
Viel­leicht dach­te er sich: „Ord­nung ist das hal­be Le­ben“ oder auch ein­fach: „Ord­nung muß sein“. Wir wis­sen es nicht.
Je­den­falls wur­den al­ler­hand Schu­len, Grup­pen, Or­den etc. bei der Ord­nung berück­sich­tigt. Es ist er­staun­lich, welch bun­tes kirch­li­ches Le­ben und wel­che Bru­der­schaf­ten, So­da­litäten etc. es da­mals noch gab.
Heu­te würde ei­ne sol­che Ord­nung frei­lich einen Auf­schrei auslösen. Männer und Frau­en wer­den ge­trennt, Fa­mi­li­en aus­ein­an­der ge­ris­sen, haupt­amt­li­che Lai­en ha­ben kei­nen ei­ge­nen Platz und die „nor­ma­len“ Lai­en kom­men un­ter „fer­ner lie­fen“ am En­de.:
Für die am
Feſte des h. Liborius stattfindende Prozeſſion,
ſo wie für alle ähnlichen Prozeſſionen des Jahres iſt folgende Ordnung feſtgelegt worden:
  1. Meißgekleidete Mädchen mit Symbolen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe.
  2. Weißgekleidete Mädchen mit Blumen.
  3. Die Gaukircher=Mädchenſchule.
  4. Die Schulen des St. Michaelskloſters.
  5. Die Dom=Mädchenſchule.
  6. Die Marktkircher=Mädchenſchule.
  7. Die Blindenanſtalt.
  8. Die Freiſchule.
  9. Die Dom=Knabenſchule.
  10. Das Gymnaſium
  11. Die Studierenden der Theologie.
  12. Die Franziſkaner.
  13. Chorknaben und Domchoraliſten.
  14. Die Allumnen des Prieſterſeminars.
  15. Der Domklerus.
  16. Der Kaſten des heil. Liborius.
  17. Das Allerheil. Sakrament, umgeben von Fackelträgern.
  18. Die 4 Stadtpfarrer.
  19. Bürgermeiſter und Magiſtrat.
  20. Die Marianiſchen Junggeſellen=Sodalität.
  21. Der katholiſche Geſellenverein.
  22. Die Männer=Sodalität.
  23. Die Johannes=Bruderſchaft
  24. Die Sakraments=Bruderſchaft
  25. Die übrigen andächtigen Jünglinge und Männer.
  26. Andächtige Jungfrauen und Frauen
Für die Aufrechthaltung der vorſtehend verzeichneten Ordnung werden mehrere Geiſtliche Sorge tragen, deren Weiſungen genau zu beachten ſind.

Paderborn, am 24. Juli 1860.
Der Biſchof
† Konrad.

Montag, 21. Juli 2014

Was ist der Mensch? 30/2014

»Der Mensch ist bei sich nicht zu Hause; er hält es mit sich, so wie er ist, nicht recht aus. Er will der sein, sich auswirken als der, der er ist, und will doch auch gerade der nicht sein, der er ist. Darum drapiert er sich mit seinen Idealen.«
(Emil Brunner)

Freitag, 18. Juli 2014